zu den Reviews T

zur Startseite




TOURETTE SYNDROM - Gabbergrind (CD 2005, Apathic View Productions) 34 min.
Selten erlebt man, daß Bandname und Albumtitel so perfekt abgestimmt und passend sind, wie es hier geschehen ist. Würde man das zum Standard machen, müßten in etwa Manowar The Wannabe Kool und ihr nächstes Album „Poser Metal” heißen. Aber ich schweife ins Triviale ab. Also - wo TOURETTE SYNDROM draufsteht, hat die Unflätigkeit System und der Tick tanzt im Dreieck. Und Gabbergrind an sich ist ein wüstes Gemenge aus Grind&Gore und eben Gabber (oder Gabba). Letzteres muß man sich als Highspeed-Hardcore-Variante des Techno vorstellen. Gut, ist nicht jedermanns Sache. Soll’s auch nicht sein. Denn das ist Stoff für die ganz Verwirrten. TOURETTE SYNDROM setzen sich aus Qnz, Messer und dessen Bruder Taschenmesser zusammen - allesamt entsprungene Psychatrie-Patienten. Zu hören sind auf „Gabbergrind” insgesamt sechzehn eigene Tracks sowie drei Coversionen (Gut, Bowel Stew, Trio). Im Hidden Track (harhar, I love this shit!) gibt man dann noch einen Das Ich-Remix zum Besten. Wie muß man sich den Scheiß jetzt vorstellen? Harte, schnelle elektronische Beats, übersteuert, verzerrt. Grobe Geräuschkulissen, kurze Sequenzen mit Melodien (!!). Zerfetzte, verzerrte Gitarren-Riffs. Dann Schreie und Grunzen, wie man’s vom Grind her kennt. Die Tracks sind ebenfalls recht kurz. Strukturen oder Harmonien? Vergeßt es! Hier herrschen Chaos und Zersetzung. Dazu gibt’s noch zwischen und in den Songs die üblichen Samples aus Porno und Horror oder einfach sinnfreie Irgendwas-Mitschnitte. TOURETTE SYNDROM sind was für jene, die auch mal ohne Metal das Trommelfell foltern wollen. Es genügt ein kleiner Schritt über die „Grenze”. Wer’s wagen möchte, sollte mal „Formaldehyde Feng Shui” oder „Logorrhoe” vorsichtig antesten. Geiler Kram von Apathic View. Ist übrigens das neue Label eines alten Metal-Kämpen. Wer mit dem Namen N. Besecke nix anfangen kann, erinnert sich vielleicht an den Ex-Cudgel-Besen. Und auch wenn diese erste Veröffentlichung nicht arg viel mit Metal im engeren Sinne zu tun hat, sollte man dem „Neuling” eine Chance geben. Denn ich bin mir sicher: Aus diesem Loch werden noch einige verschreckende Kreaturen kriechen. So, ich geh jetzt zum Ohrenarzt. Der muß mir die Synapsen wieder auf Metal kalibrieren.
qunzilla@tourettesyndrom.de // www.tourettesyndrom.de