TO-MERA - Delusions (CD 2008, Candlelight Records) 62 min.Ich hasse TO-MERA. Der Grund dafür liegt aber nur bedingt in der Qualität des zweiten Albums der englischen Truppe um Songwriter Tom MacLean und Sängerin Julie Kiss. Ich hasse sie, weil sie mich dazu bringen, mich zu outen. Als Jazz-Liebhaber. Als gelegentlicher nur, aber trotzdem. Denn an Jazz hat der Fünfer einiges im Programm. Und damit keine Irrtümer aufkommen: bei TO-MERA handelt es sich keineswegs um eine weitere female fronted PopMetal-Kapelle. TO-MERA machen extrem progressive Musik, die beinahe alle Rahmen sprengt und sich nicht im übergroßen Maß im Metal abspielt. In den acht ausladenden Songs spielen all die musikalischen Vorlieben eine Rolle, die die Mitglieder mitbringen. Dabei geht’s querbeet durch das klangliche Spektrum, angefangen bei Voivod, Dream Theater und Rhapsody über Tom Waits und Current 93 bis hin zu Claude Debussy, Karlheinz Stockhausen, Tori Amos ... Was dabei entsteht? Jedenfalls kaum Freude. Eher schon manchmal verschrecktes Erstaunen und Unverständnis. Das Problem von „Delusions” ist nämlich weder der Extremismus noch die Bandbreite noch das Können der Musiker. Die überlangen Kompositionen finden einfach nicht mal den kleinsten gemeinsamen Nenner. Das Album hat keinen roten Faden, und wäre er noch so dünn, der eine gewisse Orientierung möglich machen würde. Stellenweise wirken TO-MERA, als würde jeder für sich spielen und sich einen Dreck um das scheren, was der andere grade macht. „Delusions” ist ungeheuer anstrengend. „Delusions” braucht alle Aufmerksamkeit. „Delusions” stellt nicht die Frage des Geschmacks, sondern die Frage der Akzeptanz. Ich für meinen Teil komme mit den abrupten Stilwechseln, den Keyboard-Sequenzen, den avantgardistischen, bombastischen, bizarren und orchestralen Parts nicht klar. Der Metal-Anteil verliert sich zumeist in feinen Drum-Passagen und gelegentlichen Riffs, gefällt mir aber ebenso wie die Jazz-Einschübe und die etwas distanziert wirkende, aber variable Stimme von Frau Kiss. Als Gesamtwerk aber ist „Delusions” uninspiriert und auf Dauer nervend. Wer es wagen möchte, soll es mit dem abschließenden, fast neunminütigen Track „Temptation” versuchen. Dieser bringt in relativ gemütlicher Abfolge alle Elemente von TO-MERA zu Gehör. Ist das überstanden, stelle man sich den Rest des Album in quadratischer Verquirlung vor. Viel Vergnügen. tomeraband@gmail.com // www.to-mera.com |