11.07.08
Interview mit THE KNUTS (Juli 2008, deutsch)
THE KNUTS - Mein Wellensittich Kinski (CD 2008) 53 min.Das Outfit des neuen THE-KNUTS-Albums paßt ja so gar nicht zum Inhalt. „Mein Wellensittich Kinski” kommt in einem hochglänzenden DigiPak. Legt man die Scheibe ein, wird man dann von einem Furz-Konzert und den Worten „ ...es wird wieder schmutzig...” auf das kommende Unheil eingestimmt. In einer Mischung aus fäkal-erotischer Wortakrobatik, hingebungsvoller Kirchen-Verscheißerung und räudigem, grindigem Death Metal läßt das Frankfurter Rüpel-Orchester achtzehn Tracks vom Stapel bröckeln. THE KNUTS weichen also nicht vom einmal eingeschlagenen Weg ab. Nun könnte man den Fünfer als billige Spaß-Combo abtun. Schnell stellt man aber fest, daß der Fünfer zumindest musikalisch ernstzunehmen ist. So professionell das Album aussieht, so ausgereift und stilsicher hören sich die Songs an. Derb auf die Glocke hauender Florida-Death und hartes Grind-Getrümmer treffen aufeinander. Mosh-Parts und Groove sind natürlich ebenso inclusive wie straighte Blasts, etwas irgendwie Melodisches, hektisches Geholze und schräge Soli. Abwechslungsreich ist das Ganze, so daß die für eine Platte dieser Stilrichtung relativ großzügige Laufzeit nicht zu Langeweile führt. Nun ja, über das lyrische „Konzept” kann man durchaus geteilter Meinung sein. Aber was soll’s, die einen lassen sich eben gerne von Drachen und Rittern entjungfern, beten den Gehörnten an, andere kämpfen für das Prekariat oder ziehen den Bush durch den Kakao. THE KNUTS stehen halt auf andere Dinge. Auf „innere” Werte sozusagen. Also Exkremente, Blut, Pipi, Würfelhusten und Darmgase. Der Papst kriegt selbstverständlich auch wieder sein Fett weg („Suck my Bene-dick-t”). Die Band hat’s sich auch diesmal wieder nicht nehmen lassen und drei Cover-Versionen von Welthits auf die Scheibe gebrannt. Running Wild („Under Jolly Roger”), Maywood („Late at night”) und The Sweet („Fox on the run”) erfahren hier eine leicht pervertierte Ehrung. Man muß das alles natürlich nicht gutheißen. Aber die Verbindung von brutalen Riffs, tiefgelegtem Brüllen und Screams, scharfen Drums und eklig-witzigen Textgut funktioniert hervorragend. Wahlweise als Hörstoff für postpubertäre Fetisch-Parties (diesem Alter entwächst man nie) oder als „ernsthafte” Brutalo-Live-Mucke. Und wer wissen will, was es mit dem Wellensittich und Kinski auf sich hat, muß tief ins Cholesterin eintauchen. Viel Spaß dabei. Das Teil kostet insgesamt keine zehn Euro. Also zugreifen, wer’s nicht immer ganz seriös haben muß. Daniel Schrank, Mozartstr. 18, 15234 Frankfurt/O. // mail@theknuts.de // www.theknuts.de
THE KNUTS - Der Förster vom Silberwald (CD 2003) 42 min.So, die Kaputtniks sind wieder da! Nach „Painis” und „Palast der Winde” werfen THE KNUTS den dritten Silberding durch die Klotür und treffen punktgenau die verkeimte Schüssel. Wer hier Wald- und Wiesen-Metal mit dühüsteren, philosophierenden Texten erwartet und alles scheißernst nimmt, sollte sich schleunigst die Pfoten waschen und die neue Nightwish bei NuckelBläst ordern. Das hier, Leute, sind THE KNUTS. Das heißt fetter Death Metal gepaart mit Grind, passende Samples, und dazu politisch korrekte lyrische Orgasmen über Darmwinde, Sex im Altersheim, Fistings, Blut, Gedärm und Schrumpelhaut. „Der Greis ist heiß” oder „Faustfick” sprechen da für sich. Insgesamt wurden fünfzehn Tracks auf die Scheibe gebracht. Dabei sind da noch eine abgedrehte Version von „Troops of doom”, zwei weitere bekloppte Coverversionen und eine kultige Porn-Variante von Manowar’s „The warrior’s prayer” (vom „Kings of Metal” Album) zu hören. Die fünf Kranken von THE KNUTS beweisen, daß Death Metal durchaus Spaß bedeutet, nicht immer tod(!)-ernst sein soll und die Band selber trotzdem ernstgenommen werden kann und muß. Das sind hier keine Dilettanten, sondern durchgedrehte Death Metal Freaks mit Hang zur verbalen Fäkal-Erotik. Glücklicherweise sind die Texte im dicken Booklet nachzulesen, somit steht dem Fun nichts mehr im Wege. Denn „Der Förster vom Silberwald” enthält zusätzlich einen Video-Track von „Inkontinenz love”. Hat mir einige Schwierigkeiten bereitet, konnte ihn mir aber schließlich doch zu Gemüte führen (Gasmaske und Eimer auf’m Kopp). Für halbwegs moderne Rechner sollte es keine Probleme geben. Das Scheibchen gibt’s, wie die noch erhältlichen Vorgänger auch, für 5€ plus 1,44€ in Briefmarken. |