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THARAPHITA - Iidsetel sünkjatel radadel (CD 2007, Nailboard Records) 36 min.
Was für eine Steigerung gegenüber dem letzten Album „Primeval force”! Als hätten die estnischen Recken um Sänger und Gitarrist Ank auf mich gehört, erstrahlt die vierte Full-Length geradezu in einem anderen, kraftvolleren Licht. So ziemlich alles, was ich letztens noch bemängelt hatte, haben THARAPHITA ausgemerzt. Es gibt keine dudelige Fantasy-Stimmung mehr, die Synth-Klänge sind kaum noch (bis auf „Raudses haardes”) und die unnötigen Heavy-Metal-Einsprengels des Vorgängers überhaupt nicht mehr zu hören. Im Gegenzug hat die Band den Black Metal auf ein Maß aufgerüstet, daß es fast schon schwerfällt, hier von einer Pagan-Band zu sprechen. Es wird also kräftig gemischt, und die Mixtur ist schlüssig und schlägt „Primeval force” um Längen. Konsequenterweise haben THARAPHITA sämtliche Texte in der Muttersprache verfaßt. Das betont einerseits die Pagan-Ausrichtung der Songs, andererseits hebt es die Aggressivität auf ein höheres Niveau. Daß auch der Sound des Albums mächtig Druck erzeugt, muß nicht extra betont werden. Zwar beinhaltet „Iidsetel sünkjatel radadel” nur sieben Lieder, die dementsprechend teilweise eine längere Einzel-Spielzeit aufweisen, dennoch wird man bei keinem gelangweilt. Das Songwriting setzt mehr auf Dynamik und Aggression denn auf melodische Passung und epische Breite. Stellenweise setzt sich gar ein Thrash-Feeling durch („Vahkturm”). Höhepunkt dieses brachialen, ungestümen und rauhen Heidensturms ist aber ironischerweise das im Midtempo verharrende „Surmatalv”. Starker Black Metal mit viel tiefgründiger Monotonie und einem Schuß Doom. Weitere Anspieltipps sind das bereits genannte „Vahkturm” und das forsche „Hullusesse”. Fans von Pagan/Black Metal können bei THARAPHITA eigentlich bedenkenlos zugreifen.
Ants Lill, Piira 23-1, 44305 Rakvere (Estonia) // tharaphita@metal.ee // www.myspace.com/tharaphita


THARAPHITA - Primeval force (CD 2005, Nailboard Records) 41 min.
Auch wenn THARAPHITA schon seit längerem Bestandteil der estnischen Szene sind, sehr überzeugend finde ich ihr 2005er Album nicht. Leider - muß ich sagen. Denn die Voraussetzungen von „Primeval force” sind nicht die Schlechtesten. So lauscht man während der acht Tracks einem eigentlich recht kraftvollen, rauhen Pagan Metal. Dieser wird mit einer unüberhörbaren, aber nicht sehr dominanten Black-Metal-Note gewürzt. Bis dahin ist bei diesem dritten Album auch noch alles in Ordnung. Die Gitarren sind gut am Sägen, das Schlagzeug legt ein ordentliches Gewitter hin und der Gesang, wenn er auch etwas bemüht heroisch klingt, hebt sich noch wohltuend vom üblichen „Ich bin böse”-Geplärre ab. Zudem lassen THARAPHITA jegliche Folk-Instrumente außen vor und produzieren keine nervige Lagerfeuer-Romantik. Im Gegenzug wird bei „Primeval force” auf akustische Saitenspiele und cleane Gesangs-Parts als Kontrast gesetzt. Leider gibt es dann aber auch die Anteile im Songwriting der estnischen Band, die das Material für mich herabstufen. Das sind zum einen die starken Heavy-Metal-Einflüße, die noch tolerierbar wären, würden sie nicht gleichzeitig fürchterlich episch und gewollt dramatisch rüberkommen. Nun, und dann noch Keyboards. Die gehören wirklich nicht hierher. Zwar wird das elektronische Helferlein nicht allzu exzessiv eingesetzt. Aber wenn es dann mal deutlicher auftaucht („Throne of bones”, „Passing into anguish”), wird den Songs auch gleich die Atmosphäre genommen und rückt THARAPHITA in eine sicher nicht gewollte Nähe zu Fantasy-Metal-Bands. Bleibt als Fazit, daß offensichtlich sehr talentierte Schmiede vier doch ganz gute Schwerter (Sorceress, Primeval force, Destroyer of soul, Manalateekond) dem Feuer entrissen haben, leider aber auch ebenso viele Fischmesser (Throne of bones, 10 000 eestlast, Tongue of flame, Passing into anguish) neben dem Amboß liegen.