13.01.09



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KREATOR - Hordes of chaos (CD 2009, Steamhammer/SPV) 39 min.
Zwiespältiger als zum neuen KREATOR-Album konnten die Erwartungen in der Metal-Welt kaum sein. Irgendwo zwischen sehnsuchtsvoll-sabbernder Vorfreude und gelangweilter, vorurteilsgeladener Befürchtung sieht man dem Erscheinen von „Hordes of chaos” entgegen. So manche haben die Essener Kult-Truppe nach „Coma of souls” abgeschrieben, viele sahen mit „Violent revolution” und spätestens „Enemy of god” endlich wieder Licht am Ende des Tunnels. Die angekündigte Rückbesinnung auf alte Zeiten und die gleichzeitige Entscheidung, bei einem Nicht-Metaller aufzunehmen, deuten nun auf einen breiten Spagat hin. Der ist KREATOR allerdings gelungen. So hört man den Songs an, daß sie größtenteils live im Studio eingespielt wurden („...das erste Mal seit Pleasure To Kill, daß wir wieder auf diese Weise arbeiten ...”). Die kleinen Ungenauigkeiten, die Abkehr von der Sterilität, die sich leider beim Drum-Sound nicht ganz durchgesetzt hat, kommt dem oldschooligen, rumpelnden Charakter der Scheibe sehr zugute. Vinyl-Besitzer des Albums werden an dieser Tatsache noch ihre helle Freude haben, und was da auf der Bühne abgehen wird, ist jetzt schon zu erahnen. Allerdings könnte manch einem auch die starke Ausrichtung an ganz alten Sounds der Band und die hier und da eingestreute Punk-Note bitter aufstoßen. Daß mit Mille’s Stimme sowieso nicht jeder warm wird, ist auch nicht erst seit gestern klar. „Hordes of chaos” macht es da nicht einfacher, weil der Gesang nicht selten verzerrt klingt. Experimente wie bei „Amok run” mit den seltsam fremd wirkenden Vocals sollten eh einmalig bleiben. Melancholie mit Clean-Vocals von Petrozza - das geht gleich zweimal nicht. So, jetzt bin ich doch wieder bei den negativen Sachen hängengeblieben. War nicht meine Absicht. Denn „Hordes of chaos” ist ein durchweg kompaktes und schnelles Album, wie man es schon lange nicht mehr von KREATOR gehört hat. Das Songwriting wurde von allerlei Ballast befreit, die Produktion ist schön direkt. Es regiert die Keule mit hohem, aber nie übertriebenem Melodie-Anteil. Ausnahme sind „Demon Prince” und „To the afterborn” mit ihrer Power-Metal-Affinität. Ansonsten beherrscht die Band die Gratwanderung zwischen erdiger Aggression und durchdachter, wohlproportionierter Komposition, was es dem Hörer relativ leicht macht, sich „Hordes of chaos” immer und immer wieder zu geben. Für Thrasher sicher eine Pflicht-Scheibe in 2009! Alles, was sich dieses Jahr noch Thrash nennen will, wird sich sehr strecken müssen.
www.kreator-terrorzone.de


KREATOR - Enemy of god Revisited (CD/DVD 2006, Steamhammer/SPV)
Mit Re-Releases ist es sehr oft eine zwiespältige Sache. Wenn dann die Termine noch so nahe zusammenliegen wie in diesem Fall, kommt natürlich schnell der Vorwurf von Geldschneiderei auf. Im Falle von KREATOR und diesem CD/DVD-Digi-Package zu „Enemy of god” aus dem letzten Jahr kann man seine Bedenken aber beiseite legen. Was man vielleicht fragen könnte: Warum wurde die DVD nicht einzeln im Umlauf. gebracht? Wem Kreator am Arsch vorbeigehen, den wird auch das Package nicht locken. Und die Fans haben das Original eh im Schrank. Die zwei Live-Tracks der CD („Toxic trace” und „Coma of souls” im koreanischen Busan) hätten auch auf der DVD Platz gehabt. Wäre etwas fanfreundlicher gewesen. Letzter Kritikpunkt: Der einstündige Mitschnitt vom Konzert 2005 in Wacken ist fürchterlich grobkörnig und auch dementsprechend farblos. Künstlerische Freiheit hin oder her - bei einem solchen Hauptbestandteil der DVD erwarte ich bessere Qualität. Die drei Shots aus dem Rockpalast („Reconquering the throne”, „Renewal”, „Servant in heaven - King in hell”) sind da eine richtige Wohltat. Dafür (oder besser leider) ist hierbei der Sound schlechter. Aber das Teil hat ja auch noch einiges mehr zu bieten, was den Kauf dieser Special Edition rechtfertigt. Da ist der Videoclip zu „Enemy of god” in einer Extended Terror Version sowie das interessante Making-Of. „Dystopia” gibt’s als animiertes Video, „Impossible brutality” in der offiziellen Version. Sehr sehenswert ist das Fan-Video zu „Dying race apocalypse” von Julien Humbert-Droz, der den Kreator Clip Contest mit eben dieser Version gewonnen hat. Zu guter Letzt kann man sich vom 5.1/DTS-Mix (mit animierten Lyrics) des Albums den finalen Rettungsschuß geben lassen. Insgesamt also ein gelungenes Release mit vielen Details, das sich Fans ohnehin zulegen werden und die, die bislang gezögert haben, schließlich überzeugen könnte.