HORNA - Ääniä yössä (CD 2006, Debemur Morti Productions) 44 min.Ich habe HORNA bisher nie größere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Das war ein Fehler, wie ich mir jetzt eingestehen muß. Was die Finnen mit ihrem sechsten Album, dreizehn Jahre nach der Gründung und nach einer Mörderlatte von Demo, Splits und EP’s, mit „Ääniä yössä” hier auffahren, ist schlicht ein Hammer. Ich versuche immer, solch inflationär benutzten Wertungen aus dem Weg zu gehen. Aber HORNA stellen mit diesen vier Tracks ein Meisterwerk des Black Metal in den Raum, der jede Sekunde der Aufmerksamkeit verdient. Leicht machen es einem Shatraug, Saturnus und Co. aber wirklich nicht. Allein der Titeltrack nimmt die Hälfte des gesamten Albums ein, sprich er läuft ganze einundzwanzig Minuten. Wer jetzt an abwechslungsreiches Riffing, Breaks und Atmosphären denkt, dem brechen HORNA das Genick. Arschlecken! Der Song besteht zu mehr als drei Vierteln aus nicht mal einer Handvoll Tönen, auf denen die Herren ohne Unterlaß herumhacken. Erst nach gut einer Viertelstunde hört man, wie sich ein anderes Riff für kurze Zeit einschleicht. Dazu gesellen sich hypnotische Drums und die spärlich dazwischen gekrächzten, minimalistischen Lyrics. Was bei anderen Bands sicher Langeweile erzeugt, wird durch die Klasse von HORNA und die absolute Engstirnigkeit zu einem kaltblütigen Rausch. Und auch sonst geben die Finnen einen Dreck auf Moderne, auf Zeitgeist und Anpassung. HORNA gehen nicht mit der Zeit, sie frieren sie ein. Der Sound von „Ääniä yössä” entspricht dem dann auch mit seiner dreckigen Frostigkeit. Wozu eine saubere Produktion bemühen, wenn es sich mit Dreck im Maul viel besser kotzt? Mein absoluter Übersong dieser Scheibe ist gleich das eröffnende „Raiskattu saastaisessa valossa” (ich liebe finnische Titel!). HORNA schmeicheln dir gut drei Minuten lang mit leicht melodischen, dennoch monotonen Klängen zwischen Midtempo und schleppender Zähigkeit. Plötzlich zieht das Tempo an und eine massive Headbang-Passage bahnt sich ihren Weg. Wer da nicht reflexartig wie in Trance abgeht, dem kann nicht mehr geholfen werden. Die Frequenz dieses Wechselspiels wird immer höher, und endet in einem rasiermesserscharfen Finale. „Noutajan kutsu” ist mit nicht mal fünf Minuten der kürzeste Song und wird von gewissen Eingängigkeit, gepaart mit psychotischen Elementen, dominiert. „Mustan surman rukous” („Pest-Gebet” ?) läßt sich als Vorspiel dessen beschreiben, was einen acht Minuten später mit „Ääniä yössä” erwartet. Dagegen ist dieser dritte Song aber geradezu mit Abwechslung vollgestopft. Eine Mischung aus dem Minimalismus des Titeltracks, aber nicht ganz so schroff, und der Variabilität (naja) des Openers, nur noch finsterer. Letztendlich sind HORNA nichts für Schöngeister, Melodisten und für die Progressiven im Black Metal. HORNA und „Ääniä yössä” sind primitiv und anachronistisch, und purer Black Metal. Legion Horna, PL 177, 53101 Lappeenranta (Finland) // shatraug@grievantee.com // www.legion-horna.com |