03.09.08



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HOKUM - Pi (CD 2008) 42 min.
HOKUM haben bei mir mit ihrem Vorgängerwerk „No escape” sehr gut punkten können. Mit „Pi”, ihrem eigentlichen Debüt-Album, verhält es sich doch etwas anders. Da haben mir die Bayern wirklich einen schwierigen Brocken hingeworfen (und ich mich, rückblickend auf mein Review zu „No escape”, doch zu weit aus dem Fenster gelehnt). Ich finde jedenfalls die Konsequenz, mit der das Quartett seinen Sound weiterentwickelt hat, bemerkens- und lobenswert. Abgesehen von der verbesserten Klangqualität der Scheibe, haben HOKUM das Progressive ihrer Songs noch erweitert, ohne dabei die Thrash- und Death-Metal-Basis zu verlassen. Hat da etwa der neue Drummer (Nicolai Retzlaff) ein, zwei Wörtchen mitzureden gehabt? Wie dem auch sei, folgerichtig marschiert mittlerweile auch der Gesang auf etwas gemäßigteren Wegen. Die Stimme wirkt nicht mehr so derb, ist weder Thrash noch Death, spricht streckenweise mehr als sie singt. In ihrer Gesamtheit erscheinen die acht Tracks so melodischer, sind aber grundsätzlich zugleich noch vertrackter. Der Band gelingt es dennoch, eingängig zu bleiben. Es wird also nicht übertrieben gefrickelt und gebreakt. In der ersten Hälfte des Albums sowieso kaum. Im zweiten Abschnitt ändert sich die Lage. Zwar kann ein Song wie „The dawn of change” mit seinen achteinhalb Minuten Länge und einer Klargesang-Einlage mein zustimmendes Kopfnicken nicht verhindern. Mit „How long” wird es schon schwieriger, für soviel technische und songschreiberische Krakeleien fehlt mir doch schon der Draht. Das folgende „The key” bringt mir aber kurzzeitig mein Vertrauen in HOKUM wieder zurück, obwohl der Song auch nicht einfach ist und mir die Vocals auf den Magen schlagen. So, und jetzt kommt das „Aber”. Ist kein wirklich großes, dennoch versaut es meiner Meinung nach das Album etwas. Ich sprech vom Titeltrack, der sich als Rausschmeißer über sieben Minuten ausbreitet. Ist ein reiner Instrumental-Track, bei dem sich natürlich die Gitarristen mal so richtig auslassen können. Soweit in Ordnung. Warum sich dann aber Fuèik’s Zirkusmarsch („Einzug der Gladiatoren”) mitten reindrängelt, will mir nicht in den Kopf. Auf Teufel-komm-raus progressiv? Ob das der richtige Weg ist? Möglicherweise würden HOKUM besser fahren, wenn die grenzwertigen Spielereien beiseite gelassen würden, der Rhythmusgitarrist sich auf sein Instrument konzentriert und man einen Sänger her tut, der den abwechslungsreichen und interessanten Gitarren eine ebensolche, stimmliche Verstärkung bieten kann.
Jonas Fischer, Am Weinfeld 3, 85410 Inkofen // contact@hokum.de // www.hokum.de


HOKUM - No escape (CD 2006) 28 min.
Bis dato waren mir HOKUM noch nicht zu Ohren gekommen. Eine Kritik hatte ich mal irgendwo gelesen, dabei ist der bayrische Vierer aber nur mittelmäßig davongekommen. Damals ging’s auch um das erste Release „First blood”. Hier handelt es sich um das Zweitwerk, das HOKUM selber als EP bezeichnen. Ist trotzdem ein ausgewachsenes Album, mit einem Booklet, das alles beinhaltet, was man wissen muß. Der Preis von acht Euronen (plus Versand) ist zudem absolut gerechtfertigt. Nicht, weil die Jungs cool aussehen oder das Backcover haufenweise Live-Pics zeigt. Nee, die Musick von HOKUM macht richtig Spaß. Der erste Durchlauf von „No escape” hatte zwar noch nicht richtig gezündet, was vielleicht an der leicht progressiven Ausrichtung des Songwritings liegen kann. Aber nach und nach entfaltet der Sechs-Tracker seine ganze Schlagkraft. Man muß sich in den Reichtum an Details reinhören. Dann aber haut das Gebräu aus melodischem Death Metal und treibendem Thrash Metal kräftig auf die Rübe. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich auch auf recht Heavy-lastige Soli und Leads freuen. Der ganze Kam, den HOKUM auf dieser Scheibe zelebrieren, ist zudem schön locker gespielt und wirkt trotz der Dichte überhaupt nicht routiniert zusammengebaut sondern schön fließend. Die fette Produktion gibt den groovenden und blastenden Drums und vor allem dem Viersaiter viel Raum. Benjamin Geppert (voc, git) und Michael Vogl (git) sowie Drummer Peter Reiter und Bassist Jonas Fischer bilden eine perfekte Einheit, die sowohl die technische Klasse als auch die sogenannte „Eingängigkeit” der Songs auf den Punkt zu kombinieren weiß. Langeweile ist bei HOKUM ausgeschlossen. Und ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und sage, daß die Band jetzt schon ein ganz eigenen Weg gefunden hat. Und den sollte sie unbeirrbar weitergehen, auch wenn (wieder einmal) unverständlicherweise kein Label anbeißt.