15.01.09
Interview mit CREATURE (November 2005, deutsch)
CREATURE - Feindtbild (CD 2008, Eichenthron/Pestilence Records) 46 min.CREATURE am Scheideweg... Denn die dritte Scheibe soll ja angeblich über Wohl und Wehe einer Band entscheiden. Für den schwäbischen Fünfer trifft das allerdings nicht zu. Denn CREATURE haben sich seit nunmehr über elf Jahren ihren Platz hart erkämpft, mit zwei Demos und zwei Alben. „Feindtbild” wird der Sache keinen Abbruch tun, auch wenn man mittlerweile von Christhunt weg zu einem ziemlich unbekannten Label gewechselt ist. Das neue Werk ist erstens anders, zweitens auch irgendwie besser als sein Vorgänger. Ein entscheidender Punkt ist schon das Klangbild der zehn Tracks. Die Entscheidung, das Album bei Markus Stock in dessen Studio E aufzunehmen, mixen und mastern zu lassen, war die schlechteste nicht. „Feindtbild” entsteigt den Boxen satt und wuchtig. Das wird zwar der „true”-Fraktion der Schwarzmetaller zuwider sein, unterstreicht aber den professionellen Anspruch von CREATURE. Desweiteren rücken Marco Praher und seine Mitstreiter noch weiter, wenn nicht gar gänzlich, vom Pagan-Anstrich ab. In meinen Augen ist das schon an den Namen der Scheiben und den Songtiteln zu erkennen. „Kreuzlaub” und „Oskorei” stehen für etwas Heidnisches, „Keines Herren Knecht”, „World decadence” und eben „Feindtbild” schlagen ein anderes Kapitel auf. Kampf dem Christentum ja, aber wesentlich subtiler. Und nicht ausschließlich, wie „Twilight” zeigt. Außerdem hatten CREATURE auf den letzten zwei Alben immer noch alte Demo-Tracks neu eingespielt. Auf „Feindtbild” ist damit Schluß. Klarer geht eine Abgrenzung nicht. Nur manchmal, da können sie’s einfach nicht lassen, auch wenn’s nur kurz ist, eine Trompete in ihren Sound einzubauen. Nein, ehrlich, finde ich gut. Vorallem, weil es gelungen ist, mit „World decadence” den einzig wirklich passenden Track damit auszustatten. Erfolgreich verlaufen ist zweifelsohne auch die Suche nach einem neuen Sänger, nachdem Tobias Rube nach dem letzten Album die Band verlassen hat. Alexander Barth macht mit seiner knurrigen Stimme als Fronter eine hervorragende Figur und hat sich auch bei der Hälfte der Songs als Texter bestens eingebracht. So, nach dem vielen allgemeinen Geschwafel komm ich doch noch zu dem, was das neue Album von CREATURE eigentlich zu einer Empfehlung macht. Wer die anderen Werke kennt, muß selbstverständlich keine großen Änderungen befürchtet. Auch das dritte Album fährt das volle Brett zwischen epischen Momenten, psychotisch-quälenden Ausbrüchen und kompromißloser Raserei. Die Songs an sich sind abwechslungsreich, technisch absolut sauber gespielt, und wie mit einem inneren Band über die Spielzeit verteilt. Das Album ergießt sich somit wie ein einziger zorniger Fluß über den Zuhörer. Gitarren und Schlagzeug arbeiten bedeutend präziser zusammen, die Tempowechsel sind geschickt eingepaßt. Melodische Dramatik und roher Haß verschmelzen zu großartigem Black Metal. Die Aushängeschilder der Scheibe sind „W.i.W.”, „Blasphemia”, „Twilight” und „World decadence”. Daß auch „Feindtbild” wieder als DigiPak erscheint, muß nicht weiter erwähnt werden. Das ist inzwischen zum guten Standard bei CREATURE geworden. Marco Praher, Hauweg 9, 73655 Plüderhausen // info@creature666.de // www.creature666.de
CREATURE - Kreuzlaub (CD 2006, Christhunt Productions) 50 min.Dieses Album hätte ich von CREATURE nicht erwartet. Nicht, nachdem ihnen mit ihrem Debüt ein derartig starkes Album des Pagan/Black Metals gelungen war. Wie weit hätten sie sich auch noch steigern sollen? So, ihr erwartet jetzt einen Verriß? Ihr seid auf dem Holzweg! Denn CREATURE haben mit „Kreuzlaub” keinen Longplayer der Marke „Der Usprung (plus fünf Prozent)” erschaffen. Zugegeben, die Release-Party in Plüderhausen ließ mich noch etwas kritisch dreinblicken. Vielleicht lag’s an der kleinen Hütte, deren Sound dieser Scheibe nicht gerecht werden kann. Jetzt also in gemütlicher Runde vor den heimischen Boxen. Schon das Intro „Einklang” ist so ganz anders. Klingt mehr nach der Filmmusik eines Alien- oder Terminator-Sequels. Dies ist die Einstimmung auf sehr andersartiges Material. CREATURE machen trotzdem immer noch tiefschwarzen Pagan Metal. Vor allem Metal und Black. Allerdings vermeiden es die Gebrüder Mörstedt (Sebastian git + Thomas bass), Noch-Sänger Tobias Rube, Gitarrist Marco Praher und Schlagzeuger Gregor Laschczok fast komplett, das Epische, Majestätische der Vorgänger-Scheibe weiterzuführen. Bestes Beispiel dafür ist das neu eingespielte „Heidenzorn” vom gleichnamigen Demo. Der Kontrast zu den sechs neuen Tracks ist gewaltig und erstaunlich. Und mir gefällt das außerordentlich gut. CREATURE sind düsterer, noch bösartiger, wesentlich rauher und gehen in Richtung alter norwegischer Black-Metal-Bands. Stellenweise ist der Fünfer richtig abgedreht. Da kommen Sachen, die sind so überraschend, daß man kaum noch glauben möchte, daß das CREATURE sind. Sie sind es. Und besser als je zuvor. Den „Tag der Rache” zu Beginn könnte man durchaus noch als typisch für die Band bezeichnen. Melodisches Midtempo mit leichter Erhabenheit und gelegentlichen Doublebass-Attacken. Doch schon bei „Engelmacher” kommen erste Dissonanz-Stellen auf. Schnelle Tempowechsel und kratzende Gitarren bestimmen desweiteren den Song ebenso wie der extreme Kreisch-Gesang, besonders im Refrain. Die letzten zwei Minuten werden gar von Death-Metal-Riffing im Stakkato beherrscht, das schließlich in stumpfem Saiten-Gezerre endet. „Morbus humanitas (Über das Elend des menschlichen Daseins)” ist mit seinen acht Minuten der längste Track und erinnert vom Rhythmus und Aufbau her an „Einbruch der Nacht über Midgard” vom Vorgänger-Album. Die Bass-Gitarre spielt eine hervorragende Rolle. In der Mitte gibt’s ein leicht disharmonisches Stakkato-Interlude, das in einen schleppenden und quälenden Part übergeht. Dann dieser Bass, der von einem Trompeten(?)-Solo überlagert wird. Phantastisch! Der Titeltrack ist fast schon wieder konservativ, lebt aber von der Abwechslung beim Gesang und beim Tempo. Mit dem „Kelch der Dunkelheit” schlagen CREATURE scheinbar den Bogen zurück zum ersten Song. Aber hier ist das Songwriting direkter. Gelockert wird die Sache durch einen Part mit dunklem Sprechgesang und Akustikgitarre am Anfang und etwas Death Metal mit wabernden Gitarren am Ende. Mit Akustikgitarre startet auch „Oskorei”. Der Song ist fast genauso lang wie „Morbus humanitas...”, ist aber weniger überraschend. Aber auch hier gibt es heftige Breaks und Tempowechsel, die einen dramatischen Aufbau garantieren. „Ausklang - Hiems mortis” ist kein Outro, sondern ein richtiger Song. Aber ein relativ ruhiger. Dominierend sind die klaren, gesprochenen Vocals, die im Hintergrund immer wieder von Screams begleitet werden sowie das melodisch-treibende Gitarren-Lead im Zentrum. CREATURE sind CREATURE, und doch ganz anders. Was soll ich noch sagen? Laßt euch von diesem Album berauschen!
CREATURE - Der Ursprung (CD 2004, Christhunt Productions) 51 min.Für „Der Ursprung” könnte ich mir eigentlich großartiges Palaver sparen und einfach sagen: Pagan Black Metal at its best! Kaufen! Aber so leicht mach ich’s mir dann doch nicht. Wäre auch CREATURE gegenüber ungerecht. Denn ihr Debüt-Album hat einige Worte mehr verdient. ‘97 gegründet, brachte man Mitte 2002 das erste Demo „Mysteria Germania” heraus. Nach dem „Heidenzorn”-Demo (2003) folgte prompt ein Label-Deal und Ende letzten Jahres erblickte „Der Ursprung” das düstere Licht einer verrottenden Welt. Nach einem heftigen, bluttriefenden Schlachtgetümmel als Intro lassen CREATURE mit „Der letzte Krieger” den ersten Killer von der Kette. Noch könnte man vermuten, hier wird nur das übliche SchwarzMetall geschrubbt. Bis auf dramatische Drum-Passagen und teilweise düster-donnernde Vocals brettert der Song, sehr abwechslungsreich dennoch, ziemlich ungeniert durch die Gehörgänge. „Die Suche nach Bifrost” schlägt eigentlich in die gleiche Kerbe, ist aber besonders zum Ende hin schon auf dem Weg in majestätische Gefilde. Leider kommt die Trompete (ja, leider!) zu kurz. Wäre vielleicht noch was mehr rauszuholen gewesen. „Einbruch der Nacht über Midgard” jagt mir jedesmal einen mächtigen Schauder über den Rücken. Liegt’s am Cello-Einsatz? Das ist nur einer der Gründe. Der Song ist unheimlich erhaben, tragisch, fesselnd. Man kann sich nahezu bildlich vorstellen, wie ein Unheil hereinbricht und der Krieger schließlich alles ausgerottet sieht, was ihm etwas bedeutete. Imposanter Klar-Gesang im Refrain. „Einbruch...” ist vollständig im Midtempo gehalten, nur sehr selten versuchen die Gitarren, etwas mehr Fahrt aufzunehmen. Mehr ein Trauerspiel denn ein Lied. Aber geil! Es folgt das neunminütige „Nordblut”, das bereits auf „Heidenzorn” veröffentlicht wurde. Selbstverständlich frisch aufgenommen und um eine halbe Minute gestrafft, weiß der Song mit sich ständig abwechselnden Parts relativer Ruhe und harter Raserei sowie den Chor-ähnlichen Abschnitten zu überzeugen. Das folgende „...Zwischenspiel” könnte eventuell die „Gemeinde” spalten, denn das etwas biedere Metal-Riffing wird nicht jedermanns Sache sein. Weiter im Text - der Titel-Song. Der zieht mit einem gewaltigen Bass-Intro die Aufmerksamkeit auf sich. Und macht den Weg frei für das nach wenigen Takten einsetzende brutale Geknüppel. Auch hier wird mannigfaltig und passgenau mit purem Black Metal mit Gekreische und epischen Teilen mit Klargesang gewütet. Mit „... unerhört blieb sein Gebet ...” gibt’s nochmal einen Track ähnlich der „Suche nach Bifrost”. Trotz der mehr als acht Minuten kommt keine Langeweile auf, weil nicht endlos auf einem Riff rumgeritten wird. „March against the cross” kennt der CREATURE-Fan vom „Mysteria Germania”-Demo. Man spürt die rohen, relativ simplen Ursprünge, als Pagan noch nicht eines der bestimmenden Elemente des schwäbischen Fünfers war. Das Outro kommt schließlich als sample-unterlegtes Instrumental mit fein gezupfter, akustischer Gitarre. Die Texte des Albums sind, bis auf „March against the cross”, komplett deutsch und trotz der rauhen Vocals fast jederzeit verständlich, was auch nur die wenigstens hinkriegen. Zum Schluß noch dieses: Unbedingte Kaufempfehlung!
CREATURE - Heidenzorn (CD-Demo 2003) 42 min.First of all this comment: the sound quality is not the best. And that’s so much the worse, because the outfit promises a lot, the demo is vastly superior in itself and this taint is fucking up the effect. Well, now for the fucking music! CREATURE provides three new tracks, an extended intro and a cover version of Impaled Nazarene („Blood is thicker than water”). In addition the song „Mysteria Germania” from their same titled demo (2002) was revised and set in the middle. On the whole these five guys are undeviating on the Black Metal path they once entered. It’s not the brutal type but grim and fierce. And I guess they’ve done a small, a very small step to a Pagan concept or interpretation. CREATURE doubtlessly improved their songwriting and the technical performance as well. Though the songs rattle and clank, but it’s in an unordinary way obscure and abysmally atrocious. Each of the own tracks is varied and got a special feeling. Especially the finishing third of „Oskorei” is very weird, but impressive too. The demo’s suspense is skilfully made by breaks, inserted soli or double guitar attacks. But strictly spoken the tracks are, with more than nine minutes, much too long in my fucked-up mind. It’s not stuffiness, I just miss the point which gives the kick and finally breaks the neck. Live on stage this is not striking, but by „clean” and repeated listening. Finally, the clean vocals I do still not like as well as the, sparsely used, keyboard parts. In contrast the clean guitar lines seem fitting. However, the stuff costs 6€ to you and is surely interesting for Black/Pagan Metal freaks.
CREATURE - Mysteria Germania (CD-Demo 2002) 42 min.This is another good Black Metal band from my region. CREATURE scraped seven songs (+ intro and outro) in the silver disc. Apart from the rattling and clanking sound there are songs from mid tempo to raging speed, some acoustic guitars (perfectly embedded in the song structure) and slow parts. The guitar work is very good, unfortunately the bass is hard to hear. All songs were written between 1997 and 2001, recorded in the beginning of 2002. The highlight is the title track, surely. „Mysteria Germania” runs over nine minutes and includes all the facets of what CREATURE is able to display. And it’s never boring. Sometimes I guess hearing somewhat like a trumpet. All in all it could be come a bit more direct to the point. In „Winds of eternal death” the epic vocals enervate me, though fitting in the song but sound like a sticked pig or something. However, less the sound and the vocals (could be a bit more in the foreground) this demo is a fuckin’ good one. It’s not pure or old-school Black Metal, I think they try to find an own style. And I know their live performances and have to say that they are killer beasts. And the shouter is a true animal, acting on stage without any mercy. Some words to the name of the demo: I do not believe that this has an racist or whatsoever background! Better asking guitarist Marco Praher. |