10.06.08



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BLACK JADE - Helvetica diabolica (CD 2007, Black Tower Productions) 56 min.
Naja, ist ja gar nicht mal sooo übel, was BLACK JADE aus der Schweiz mit ihrem aktuellen Langeisen anbieten. Musikalisch ansprechend, wenn auch im ersten Moment etwas verwirrend, hört man doch im ersten Track namens „Anno 1811” die englische Hymne. Denkt man. 1811 ist so einiges passiert, ebenso wie 1961. So heißt nämlich der Rausschmeißer, also „Anno 1961”. Gräbt man etwas tiefer, erhellt sich die Angelegenheit, und man hat es mit einem national-heroischem Werk zu tun. 1811 wurde nämlich die erste Schweizer Nationalhymne „Heil dir, Helvetia” (bzw. „Rufst du, mein Vaterland”) verfaßt und auf die Melodie der britischen Hymne gesungen. 150 Jahre später wiederum haben sich die Eidgenossen mit dem „Schweizerpsalm”, der allerdings schon 1841 geschrieben wurde, eine neue Hymne eingerichtet. Etwas seltsam, oder besser schizophren, finde ich dann die im Booklet und und Backcover massiv auftauchende Anrufung Gottes. Bei einem Black-Metal-Projekt ist das doch sehr fragwürdig. Bei Macher Naragarth nennt sich die Tonkunst zwar „Helvetischer Heiden Metal”, aber das ist eher noch befremdlicher. Daß es sich bei den, im übrigen fast einzigen abgedruckten, Lyrics um die Texte der beiden Hymnen handelt, mag ja für den eidgenössischen Geist erhebend sein, hat aber einen Beigeschmack, der die Gesinnung irgendwie ad absurdum führt. Oder soll es Ironie sein? Kaum vorstellbar. Gut, Musik haben wir ja auch noch. Und die ist, wie bereits angedeutet, ziemlich düster und größtenteils mittelschnell gespielt. Wer sein SchwarzMetall mehr schnell und stumpf mag, wird bei BLACK JADE kaum fündig. Dem Konzept entsprechend, wenn denn eines vorhanden ist, gibt es in den eigentlichen acht Songs erhabene Stimmungen, leicht melodische Melancholie, manchmal treibendes Geschepper und Blasts („Hail Domina Helvezia”, „Auf alten Pfaden”). Sehr gelungen finde ich das ruhige Folk-Stück „Wiedergeburt der Sonne”. Der BlackMetaller wird zwar sowas hier nicht erwarten, aber es ist gut gemacht. Dagegen ist das Mittelalter-inspirierte „Winterwald” gerade noch erträglich. Die fast zehnminütige Pause vor dem abschließenden Musikantenstadl-Bonus ist übrigens auch geschenkt. Abschließend läßt sich sagen, daß Wahnsinn und Talent, von Genie mag ich dann doch nicht sprechen, bei „Helvetica diabolica” eng beieinander liegen. Manch guter Abschnitt oder Song („Hail Domina Helvezia”, „Du kämpfst, du siegst”) wird von drumherum intonierten Nebensächlichkeiten und übertriebenem Heroismus wieder ins Mittelmaß gedrängt.
www.myspace.com/blackjadeswiss