BIRDS OF PREY - Sulfur and semen (CD 2008, Relapse Records) 42 min.Wo Dave Witte als Schlagzeuger mitwerkelt, kann eigentlich nichts Schlechtes rauskommen. Allerdings verwundert es etwas, daß man ihn ausgerechnet bei BIRDS OF PREY wiederfindet (das Album hat er angeblich nicht eingetrommelt), wo er doch eigentlich mehr für Death- und GrindCore-Sachen bekannt ist (Human Remains, Municipal Waste, Discordance Axis, Burnt By The Sun). Und BIRDS OF PREY sind ja abschnittsweise schon fast das Gegenteil davon. Die Ami-Truppe, zu der noch Sänger Ben Hogg, die Gitarristen Erik Larson und Bo Leslie sowie Summer Welch am Tieftöner gehören, gibt sich einem sumpfigen und über weite Strecken schleppenden Sound hin. „Sulfur and semen” ist Sludge Metal, der deutlich im Southern Rock schwelgt. Dem noch nicht genug, hat der Fünfer in manchen der elf Songs auch leichte Death- und Thrash-Spuren hinterlassen. Das Ergebnis kann sich eigentlich hören lassen. Ob gewollt oder nicht, der unpolierte Klang unterstreicht die rohe Underground-Attitüde der Scheibe. Das Album scheint in einem verqualtem Keller während einer whiskey-geschwängerten Session in einem Durchlauf aufgenommen zu sein. Mir persönlich sagt dieser Oldschool-Touch durchaus zu. Die breite Masse, wenn es die in diesem Genre überhaupt gibt, könnte aber durchaus abgeschreckt werden. Ebenso davon, daß BIRDS OF PREY tempomäßig sehr in die Extreme gehen, also von totaler Doom-Verschleppung bis zum lässig-rasanten Punkbeat alles auffahren. Sehr deutlich stechen die Drums aus dem Modder heraus. Die Gitarren braten wie Hölle und verquirlen sich mit dem Bass zu einem manchmal undurchdringlichen Knäuel derben Gekloppes. Die Lyrics werden mit einem brutalen Organ kundgetan, das einfach nur als versoffen und aggressiv zu bezeichnen ist. Alles gut und schön, möchte man meinen ... wenn der Kram nicht ein paar Macken hätte. Das Problem, das ich mit BIRDS OF PREY habe, ist die, teilweise offensichtliche, Gleichförmigkeit der Songs. Manchmal scheinen die Riffs nur mit geringfügigen Geschwindigkeitsunterschied runtergeschrammelt zu sein („Mentoring the mongoloids...” und „Lice halo”, „Show him the ground” und „Liquor blister”). Das Songwriting ist insgesamt zwar abwechslungsreich, aber schon auch schematisch. Ich will nicht sagen, daß „Sulfur and semen” öde ist, nur kann man von einer solchen Gruppe mehr erwarten, denke ich. Am besten und gewaltigsten sind BIRDS OF PREY in „Where black lungs don’t breathe”, „Underfucked and underage” und teilweise „Turning big rocks into little rocks”. Immer dann, wenn der Doom die Herrschaft übernimmt. Den Rest können andere genauso gut, oder besser. www.myspace.com/birdsop |