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BIOMECHANICAL - Cannibalised (CD 2008, Earache Records) 47 min.
Um das nachfolgende Geschwafel etwas bildlicher zu machen, sei Folgendes vorneweg mal erwähnt: Ich hab hier eine Promo in sogenannter „bleeped”-Version. Das bedeutet, daß die Tracks in unregelmäßigen Abständen von einem sekundenlangen Piepton unterbrochen werden. Der Download-Piraterie sei Dank. Trotzdem sollte man eine solche Promo eigentlich in die Tonne kloppen, denn ich bin mir sicher, daß es für die Freaks mit entsprechender Technik ein Leichtes ist, die Töne rauszufiltern. Wie auch immer, das Seltsame oder eher Irrsinnige ist, daß mir dieser „Bleep”-Faktor in den ersten Songs gar nicht aufgefallen ist. Deshalb sind BIOMECHANICAL auch nicht gleich in besagten Eimer gewandert, sondern durften durchlaufen. Glück für beide Seiten. Denn bei „Cannibalised” liegen Genie und Wahnsinn wirklich sehr eng beieinander. Das Material ist Konfrontation pur. Wie man es als „Progressive” einstufen kann, erschließt sich mir allerdings nicht. Es hat mehr was von einem Drogenrausch, es ist ein musikalischer Crashkurs ohne Grenzbewußtsein oder expressionistischer Albtraum eines Sadomasochisten. Die Warnung „extreme listening” ist hier durchaus berechtigt, reicht die Spanne in BIOMECHANICAL’s Audio-Tortur doch von Heavy/True Metal über ProgRock, Thrash, Grind, Noise bis Industrial. John K. und seine Instrumental-Sklaven werfen alles zusammen, pflücken fetzenweise Teile raus und setzen es zu einem paranoiden Soundtrack zusammen. Man hört orchestrale Abschnitte ebenso wie vollkommen abgedrehte, rauschartig schnelle Riff-Attacken. Tempowechsel sind ständige Begleiter beim Hören. Ein fast schon unwirklich harter Sound verstärkt ein wahnsinniges SchlachtZeug. Und der Sänger selbst ist ein wahres Tier, klingt hier mal wie Rob Halford, da wieder wie Will Rahmer. Kreischen, Schreien, Verzerrungen, Growl, thrashige Shouts - alles ist da. Etwas Erholung in diesem schizophrenen Kopfkino bieten „Breathing silence” und „Through hatred arise”. Allerdings sollte man diese Songs nicht als Einstieg wählen, weil einen die restlichen acht sonst erschlagen. Also, je nach vorheriger Gefühlslage findet man sich nach dem Genuß von „Cannibalised” mit dem Cutter-Messer an den Pulsadern wieder, oder springt wie mit Adrenalin vollgepumpt durch die Gegend und möchte die Welt einreißen. BIOMECHANICAL dürften die Gemeinde wieder spalten. Mir gefallen sie ganz gut.
john@biomechanical.co.uk // www.biomechanical.co.uk