Interview mit BELPHEGOR (Mai 2006, deutsch)
BELPHEGOR - Pestapokalypse VI (CD 2006, Nuclear Blast) 38 min.Auch wenn mich BELPHEGOR im Sommer, vor der Veröffentlichung dieses Albums, live nicht wirklich vom berühmten Hocker gehauen haben und ich ob der späteren Nachricht, daß der Höllenchor aus Salzburg bei Nuckel-Plast drei Kreuze auf’s Papier gesetzt hat, noch stärker in Zweifel geriet - mit „Pestapokalypse VI” haben Hellmuth, Sigurd und Barth einen weiteren unverrückbaren Fels in das Fundament ihres Erfolgs eingefügt. Treibend und wie immer provokant, bieten BELPHEGOR knapp zwei Handvoll Songs, die besten Death Black Metal darstellen. Die Ösis haben es auch noch fertiggebracht, variantenreicher und intensiver als auf „Goatreich - Fleshcult” zu sein. Der Sound aus den Stage One Studios gibt der perversen Vertonung des Schwarzen Todes den finalen Kick. Richtige Ohrwürmer sind ihnen auch gelungen. Vielleicht liegt es daran, daß BELPHEGOR es immer besser verstehen, auch abseits von Hyperblast-Attacken das Extreme und Brachiale ihres Songwritings überzeugend zu vermitteln. Das straighte Drumming und die leicht orientalisch wirkende Gitarren-Arbeit des eröffnenden „Belphegor - Hell’s ambassador” befinden sich noch ganz in traditioneller Band-Manier. Auch „Seyn Todt in Schwartz” ist ein schwarzmetallischer Parforce-Ritt, wie ihn sich der Deibel als Marschmusik wünschen dürfte. Als dann erhebt aber der „Angel of retribution” sein Haupt. Eine bleierne, bass-geschwängerte Atmosphäre macht sich Raum. Zweistimmiger Gesang legt sich auf ein schleppendes Riff, das vom Schlagzeug scheinbar immer am Ausbruch gehindert wird, und das trotzdem manchmal als Lead durchkommt. Das Ende ist nah, doch „Chants for the devil 1533” bringt wieder Geschwindigkeit ins Spiel. Abwechselnd rasend und mit dem gewohnten monotonen Midtempo, das mit den lateinisch/deutschen Refrain noch verstärkt wird, führen BELPHEGOR zum zweifellos stärksten Track der Scheibe - „Pest Teufel Apokalypse”. Der Song beginnt breaklastig, und die Zerrissenheit, die Abartigkeit setzt sich die nächsten fünf Minuten fort. Melodische Leads treffen auf pure Aggression, auf unrhythmische Texte (englisch, deutsch, latein), auf massige, haßerfüllte Chöre. Das ganze wirkt irreal wie ein Gemälde von Bosch. Wenn man aber die Augen schließt, sieht oder hört man im Inneren das Gleiche als Wirklichkeit. „The ancient enemy” ist wieder so ein typischer BELPHEGOR-Kracher ähnlich „Seyn Todt in Schwartz”, nur das der Feind aus alter Zeit mehr Death- als Black-Metal-Elemente zu Gehör bringt. Der zweite Höhepunkt des Albums folgt in Form von „Bluhtsturm Erotika”. Als würde eine totgeglaubte Bestie aus dem Loch steigen, so unaufhaltsam schiebt sich der Song vorwärts. Schleichender, tiefgründiger Horror, von Gitarren-Soli und Blast-Parts hier und da kurz unterbrochen. Eine Blast-Orgie vom feinsten, abwechslungsreich, höllisch, pornographisch, ist dann „Sanctus perversum”, bevor mit dem instrumentalen Death-Metal-Monster „Das Pesthaus/Miasma Epilog” dieses Teufels-Werk abgeschlossen wird. „Pestapokalypse VI” wird wohl so einfach nicht zu toppen sein, weil BELPHEGOR damit eigentlich ganz oben angekommen sind. belphegor@aon.at // www.belphegor.at |